Das „Fest der Liebe“ steht vor der Tür. Wieviel hat die Art, wie Menschen diese Tage verbringen, mit Liebe zu tun? Und: welche Formen, welches Verständnis von Liebe braucht es heute, damit sie wirksam wird? Hier kommen ein paar Gedanken über Liebe von uns.

Das Ende des Jahres ist hierzulande geprägt von Weihnachten: Um den dunkelsten Moment des Jahres zelebrieren viele das sogenannte “Fest der Liebe”. Die aufgeladenen Tage zeigen eine Sehnsucht auf - und oftmals auch unsere Unfähigkeit, Liebe wirklich zu kultivieren und als Praxis in unsere Leben einzuladen. Dabei liegt in der Liebe die wichtigste kollektive Ressource unserer Zeit.
Liebe wird oft als Gefühl verstanden, das ganz geheimnisvoll passiert. Erich Fromm hingegen sah Lieben als eine Kunst, die gelernt sein will. Und Bell Hooks macht deutlich: Wenn wir Liebe als Handlung betrachten, übernehmen wir automatisch Verantwortung.
Liebe zeigt sich dann nicht in der Harmonie, sondern im Umgang mit Spannungen - und zwar auf mehreren Ebenen: in der Selbstfürsorge, im Umgang mit anderen und als Teil eines größeren Gefüges.
Mit sich selbst mitfühlend umgehen bedeutet, die eigenen Emotionen und Bedürfnisse ehrlich anzuerkennen statt abzuwerten, Grenzen zu setzen und mutig für ein authentisches Leben einzustehen.
Das ist eine wichtige Übung für jede*n von uns - und gleichzeitig nie ein Freifahrtschein für achtloses Verhalten anderen gegenüber. Wer sich selbst ernst nimmt, muss andere nicht kontrollieren oder abwerten. Als Praxis der Liebe geht Selbstfürsorge Hand in Hand mit verantwortungsvollem Handeln nach außen.
Wenn wir Akteur*innen der Liebe werden wollen, können wir nicht bei uns stehen bleiben. Eine liebevolle Haltung bedeutet: Zuhören, wenn es unbequem ist. Grenzen achten. Unterschiedlichkeit aushalten.
Gerade jetzt ist Liebe keine Privatsache. So kann sich auch im Großen entfalten, was im Kleinen beginnt.
Daniel Schreiber sieht Liebe als wichtige politische Kraft, mit der wir eine Antwort auf Ohnmacht und Spaltung geben können: Liebe hält uns handlungsfähig. Liebe entscheidet, ob wir uns zurückziehen oder verbinden, ob wir abstumpfen oder zugewandt bleiben. Hannah Arendt sprach auch von Amor Mundi: der Entscheidung, die Welt nicht aufzugeben.
Gerade jetzt. Trotz allem.
Damit kann jedes Mal, wenn Menschen sich begegnen, Liebe geübt werden. Beziehungsmuster verändern sich in Beziehung. Und Gemeinschaften, in denen wir uns sicher und zugehörig fühlen, in denen wir authentische Verbundenheit erfahren dürfen, sind damit nicht nur Räume des Lernens, sondern zugleich eine wichtige Kraftquelle, die die Liebe in uns nährt und wachsen lässt.
Weiterlesen:
Daniel Schreiber - Liebe! Ein Aufruf
Bell Hooks - Alles über Liebe
Erich Fromm - Die Kunst des Liebens
Hannah Arendt - Vita Activa oder Vom tätigen Leben